Sommergewitter gehören in Deutschland regelmäßig zur warmen Jahreszeit. Für Besitzer einer Photovoltaikanlage stellt sich dabei häufig die Frage, ob eine PV-Anlage bei Gewitter vorsorglich abgeschaltet werden sollte. Moderne Anlagen verfügen bereits über verschiedene Schutzmechanismen, dennoch gibt es einige Punkte, die im Ernstfall beachtet werden sollten. Wer die Funktionsweise kennt, kann Risiken besser einschätzen und unnötige Maßnahmen vermeiden.
Wie verhält sich eine PV-Anlage bei Gewitter?
Eine PV-Anlage bei Gewitter arbeitet grundsätzlich zunächst ganz normal weiter. Solange kein direkter Blitzeinschlag oder eine Überspannung auftritt, besteht in der Regel kein Grund, die Anlage manuell außer Betrieb zu nehmen.
Moderne Wechselrichter überwachen das System kontinuierlich. Erkennt der Wechselrichter ungewöhnliche Spannungen oder Netzstörungen, trennt er die Anlage automatisch vom öffentlichen Stromnetz. Dieses Sicherheitskonzept schützt sowohl die Photovoltaikanlage als auch das Stromnetz.
Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) erfüllen Photovoltaikanlagen umfangreiche Sicherheitsanforderungen und verfügen über automatische Schutzfunktionen.
Muss eine PV-Anlage bei Gewitter abgeschaltet werden?
Eine fachgerecht installierte PV-Anlage bei Gewitter muss normalerweise nicht manuell abgeschaltet werden. Die vorhandenen Schutzsysteme übernehmen diese Aufgabe automatisch, sobald außergewöhnliche Betriebszustände auftreten.
Eine manuelle Abschaltung ist deshalb weder notwendig noch empfehlenswert. Während eines Gewitters sollte grundsätzlich auf Arbeiten an elektrischen Anlagen verzichtet werden.
Ausnahmen können nur in besonderen Situationen gelten, etwa wenn die Feuerwehr oder der Netzbetreiber entsprechende Maßnahmen anordnet.
Welche Rolle spielt der Wechselrichter?
Der Wechselrichter ist das Herzstück jeder Photovoltaikanlage. Er wandelt den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um und überwacht gleichzeitig wichtige Betriebsdaten.
Kommt es bei einer PV-Anlage bei Gewitter zu Netzschwankungen oder Spannungsspitzen, erkennt der Wechselrichter diese innerhalb kürzester Zeit. Anschließend trennt er die Anlage automatisch vom Stromnetz.
Dadurch werden viele Schäden verhindert, bevor sie überhaupt entstehen können.
Überspannungsschutz schützt die Technik
Gewitter verursachen nicht nur direkte Blitzeinschläge. Häufig entstehen Überspannungen, die sich über Strom- oder Datenleitungen ausbreiten und empfindliche Geräte beschädigen können.
Ein professioneller Überspannungsschutz reduziert dieses Risiko erheblich. Je nach Gebäude kommen unterschiedliche Schutzstufen zum Einsatz:
Überspannungsableiter im Zählerschrank
Schutz im Wechselrichter
zusätzlicher Geräteschutz für empfindliche Verbraucher
Nicht jedes Gebäude mit Photovoltaikanlage verfügt automatisch über eine äußere Blitzschutzanlage. Ob diese erforderlich ist, hängt unter anderem von der Gebäudeart, der Lage und den geltenden Vorschriften ab.
Eine PV-Anlage bei Gewitter profitiert jedoch grundsätzlich von einem durchdachten Blitzschutzkonzept. Dabei wird zwischen äußerem Blitzschutz und innerem Überspannungsschutz unterschieden.
Während der äußere Blitzschutz direkte Einschläge ableitet, schützt der innere Blitzschutz elektrische Anlagen vor gefährlichen Spannungsspitzen.
Was sollte während eines Gewitters vermieden werden?
Auch wenn moderne Anlagen gut geschützt sind, gelten während eines Gewitters einige Grundregeln:
keine Arbeiten an der Photovoltaikanlage durchführen
Wechselrichter oder Leitungen nicht berühren
keine Wartungsarbeiten beginnen
beschädigte Komponenten erst nach dem Gewitter überprüfen lassen
Dadurch lassen sich unnötige Risiken vermeiden.
Was passiert nach einem Blitzeinschlag?
Ein direkter Blitzeinschlag in unmittelbarer Nähe kann trotz vorhandener Schutzsysteme Schäden verursachen. Deshalb empfiehlt sich nach einem starken Gewitter eine Sichtprüfung der Anlage – allerdings erst, wenn keine Gefahr mehr besteht.
Folgende Hinweise können auf Schäden hindeuten:
Fehlermeldungen am Wechselrichter
ungewöhnlich niedrige Stromerträge
sichtbare Beschädigungen an Modulen oder Leitungen
häufige Störungen der Anlage
Bei Auffälligkeiten sollte die Anlage durch einen Fachbetrieb überprüft werden.
Wartung erhöht die Sicherheit
Eine regelmäßig gewartete Photovoltaikanlage arbeitet nicht nur effizienter, sondern bietet auch ein höheres Maß an Sicherheit. Dabei werden unter anderem elektrische Verbindungen, Schutzkomponenten und der Wechselrichter kontrolliert.
Gerade Überspannungsschutzgeräte können nach mehreren starken Gewittern ihre Schutzwirkung verlieren. Eine regelmäßige Kontrolle hilft dabei, diese Bauteile rechtzeitig auszutauschen und die Betriebssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.
Wer sich Gedanken über eine PV-Anlage bei Gewitter macht, kann sich auf die Sicherheitskonzepte moderner Systeme verlassen. Automatische Abschaltungen, Wechselrichter mit integrierten Schutzfunktionen sowie professioneller Überspannungsschutz sorgen dafür, dass Photovoltaikanlagen auch bei sommerlichen Gewittern zuverlässig und sicher betrieben werden können. Gleichzeitig bleibt wichtig, Wartungen regelmäßig durchführen zu lassen und nach außergewöhnlich starken Unwettern mögliche Schäden fachgerecht überprüfen zu lassen.